Der Gott-Komplex

Es gibt eine Frage, die sehr oft falsch gestellt wird. Und diese Frage lautet: Glaubst du an Gott? Nach meiner persönlichen Empfindung eine sehr häufig aufkommende.

Aber statt zu fragen ob jemand glaubt, sollten wir fragen wie er/sie glaubt. Denn nur so können wir den Verstand dieser Person beurteilen.

Ich will dies an einem praktischen Beispiel ausformulieren. Erst heute sah ich mir auf Youtube ein Video von Angela Merkel an. Während ich dieses Video betrachtete, in all seiner Seichtigkeit und Stupidität für welche die deutsche Bundeskanzlerin so bekannt ist, rumorte es in mir. Und eh ich mich versah musst ich mich übergeben.

Nun gibt es verschiedene Arten und Weisen dieses „Ereignis“ zu betrachten.

Ich könnte sagen: Angela Merkels Video hat mich zum Kotzen gebracht. Was ungefähr das Äquivalent wäre zu: Es war Gottes Wille, dass du auf der Straße ausgerutscht bist, als du der knapp bekleideten Frau hinterher geschaut hast.

Das ist aber zu einfach. Ich glaube nicht, dass unsere Welt so einfach funktioniert. Oder irgendeine – wenn existente – göttliche Macht.

Was zu meiner Nahrungsmittelrepulsion geführt hat war der biologische Umstand, dass ich zuvor etwas zu mir genommen habe, was mein – nach naturwissenschaftlichen Prinzipen funktionierender – Körper nicht verträgt. Dies führte durch eine Kausalkette dazu, dass ich, in temporärer Synchronisation mit dem Betrachten des Merkelvideos, das Gefühl verspürte mich übergeben zu müssen.

Und dass die Person auf der Straße ausgerutscht ist liegt daran, dass physikalische Gesetze der Reibung gewisse Zustände erfordern um ein stabiles Stehen zu ermöglichen. Unser Körper erfordert in Situationen, in denen diese Stabilität nicht gegeben ist, erhöhte Aufmerksamkeit um auf den Beinen zu bleiben. Gleichzeitig ziehen bestimmte Reizimplikatoren (z.B. leicht bekleidete Frauen) unsere Aufmerksamkeit auf sich.

Es war nicht Merkel die meinen Magen umdrehte, sondern Biologie. Die wunderbare Ironie der Situation, dass ich die deutsche Bundeskanzlerin, als postaktiver Sozialdemokrat, genauso abstoßend finde wie mein heutiges Mittagessen war ein unterhaltsamer Zufall.

Wenn jemand auf der Straße ausrutscht, weil er einer Frau mit zuwenig Stoff hinterher blicken muss will, so ist es nicht eine Strafe Gottes. Sondern das Zusammenspielen verschiedener Naturgesetze und psychologischer Tricks.

Ich glaube also nicht, dass Gott mich speien lies weil ich Merkel sah oder jemanden stürzen lässt weil er „sündigt“. Solche Eingriffe sind seiner nicht würdig. Viel zu simpel – he thinks bigger!

Ich glaube, wenn überhaupt, dass Gott ein komplexes System schuf. Voll mit Naturgesetzen die perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen um in einer großen Symphonie des Lebens funktionieren zu können. Und genauso perfekt abgestimmt wie diese Naturgesetze war eben dieser Moment vor Youtube – einfach göttlich.

Die Frage ist also nicht ob ich an Gott glaube oder nicht. Denn für meine Fähigkeit der Weltanschauung ist das nicht relevant. Sondern wie ich es glaube. Logik ist nämlich nicht der Feind des Glaubens – sondern seine Grundlage.

Und wenn ihr jetzt denkt, dass all dieses Geschreibsel kompletter Humbug ist, so kann ich das nachvollziehen. Aber eine Anekdote, in der ich bei einem Video von Angela Merkel kotzen musste war es mir wert erzählt zu werden. Verzeihung an zukünftige Arbeitgeber.

Was bisher geschah (2)

Seit einem Jahr genau wohne lebe ich nun in Österreich. Und ich dachte es wäre vielleicht einmal an der Zeit kurz zu rekapitulieren, was mir dieses Jahr gebracht hat.

Auch wenn eine STEP-Prüfung noch vor mir liegt sehe ich das Studium als Erfolg. In erster Linie besteht es natürlich aus theoretischem Content á la Kotte und Benjamin. Und manchmal lasse ich mich mehr von der Praxis ablenken als diese Inhalte aufzunehmen. Aber Lehrveranstaltung um Lehrveranstaltung geht es voran – mit Inhalten die in ihrer Aufnahme für mich manchmal müßig sind, jedoch von hohem Wert.

Durch LV’s wie die berühmte „Freitagsrunde“ wurde mein Studium bisher sogar um die aufregende Prise Praxis garniert. Bin ich doch dort meinen Ambitionen der Schauspielerei und der Regie um einiges näher gekommen als dies in Berlin je zuvor der Fall war. Bei gleich drei Filmen (TV-AKTIV, Stalker und Den versteh I jetz ned) konnte ich mich im Sommer austoben. Und nicht nur das – auch ein Praktikum im Februar diesen Jahres bei der Sendung Bürgerforum auf ORF2 hat mich weiter gebildet, trainiert und vorbereitet auf meine Zukunft in dieser Branche.

Und neben den guten Freunden die ich dort fand, und der Möglichkeit mit Peter – dem Dozenten der Freitagsrunde, welchen ich sehr schätzen gelernt habe, im Verlauf des letzten Jahres – als Sendungsverantwortlichem zusammen zu arbeiten, gab es sogar eine finanzielle Entlohnung für das Praktikum. Ein Monat im vierstelligen Bereich. Ein Umstand der bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten meines Herkunftslandes undenkbar wäre. Wobei ich gestehen muss, dass (wenn auch bei Weitem nicht um Längen) das demokratische Prinzip der ÖRs in der nördlich liegenden Bundesrepublik – euphemistisch ausgedrückt – besser funktioniert. Das habe ich aber während meiner Tätigkeit nicht persönlich fest stellen können, nur aus den Medien und Erzählungen entnommen.

Abseits von den beruflich-akademischen Fortschritten habe ich hier noch Wertvolleres kennen gelernt. Freunde die mir innerhalb von kürzester Zeit ans Herz gewachsen sind. Die mich fest verwurzelt haben und es mir nahezu unmöglich machen in den Semesterferien woanders hin zu wollen.

Was erwarte ich mir nun für das nächste Jahr hier in der Republik? Nun erst einmal das Bestehen der STEP-Prüfung im nächsten Monat, sowie das Drehen neuer Filme und der weitere Ausbau von Boodehoo. Die ersten Babysteps sind getan – nun wird es Zeit den Hauptwohnsitz hier her zu verlegen und das Gaspedal in Anbetracht des verifizierten Kurses stärker durchzudrücken.

Leider erwarten mich aber möglicherweise zusätzlich auch Studiengebühren, folgt man der aktuellen politischen Debatte. Aber es können ja nicht alle Erwartungen in Erfüllung gehen.

Countdown zur Regiepremiere

In ein paar Tagen feiert unser Film TV-AKTIV (Tina und mein Regiedebüt) seine Kinopremiere hier im Wiener Votivkino. Und ich kann gespannter nicht sein.

Die bisherigen Kritiken, derjenigen die den Film schon vorab sehen konnten, fielen alle positiv aus. Begeistert mitunter. Unser Dozent Peter Baminger, welcher sich zu Beginn unserer Produktion noch gegen die Umsetzung unserer Filmidee aussprach – es könne nichts Gutes bei rum kommen, er hat sich gern korrigiert.

Und sein Lob löst bei mir – bei uns besonderen Stolz aus. Denn die Lehrveranstaltung bei Peter gehört zu den Highlights der Dinge die ich in Wien bisher erleben durfte. Seine Erfahrung sowie seine Leistung geben seinem Urteil eine besondere Bedeutung – von der persönlichen abgesehen.

Aber nicht nur Stolz ist es was mir der Film brachte. Ich konnte Freundschaften vertiefen. Zu meiner Buch- und Regiepartnerin Tina die ich im Februar erst beim ORF kennen gelernt habe und mittlerweile nicht mehr missen möchte, da sie nicht nur auf kreativer Ebene ein Gewinn ist.

Auch David, unser Kameramann, den ich im Oktober kennen gelernt habe. Ich will sagen, dass die gemeinsame Arbeit an diesem und den zwei anderen Filmen (Stalker und Den Versteh I Jetz Ned) uns auch freundschaftlich näher als zuvor zusammengerückt hat – auch wenn wir ab und an konträre Ansichten haben, erzeugt dies weniger Reibung als viel mehr eine Erweiterung meines Horizonts. Denn er ist (da stimme ich der Meinung Peters vollkommen zu) ein Ausnahmetalent (nicht nur) an der Kamera.

Ich bin froh über jedes einzelne Mitglied der Filmcrew, die außerordentliche Arbeit geleistet hat. Und über die Darsteller – die in Anbetracht knallender Hitze erbarmen mit unserer kleinen Produktion hatten wenn z.B. beim Catering nicht genug Wasser da war oder Tina und ich die Auflösung aufgrund neuer Einfälle komplett umgeschmissen haben und spontan eine neue improvisierten.

Stefan und Thomas vom Ton haben sich Nächte um die Ohren geschlagen um wett zu machen, dass sich bei uns niemand um eine Takeliste gekümmert hat; oder um Flugzeuge und LKW rauszufiltern und einen phänomenalen Score zu komponieren.

Ponsi soll nicht unerwähnt bleiben. Der als Mädchen für alles quasi eine Set-AL war, Tiersitter und immer dort angepackt hat wo Not am Mann war. Großartig!

Es tut mir leid für die Personen, die sich Zeit genommen und Mühe gegeben haben um uns bei unserem Dreh zu unterstützen – deren Szenen wir aber aus Gründen der Dramaturgie komplett raus nehmen mussten. Obwohl wir von der Leistung und Hilfsbereitschaft dieser Leute beeindruckt waren und bleiben.

Unserer Produktionsleitung Caro, sowie Aila und Christina die ihr unter die Arme gegriffen haben wenn es um die Organisation des Drehs ging, gebührt natürlich auch meine besondere Dankbarkeit dafür, dass sie es Tina und mir möglich gemacht den Film in seiner gelobten Präsenz umzusetzen. Insbesondere auch weil sie unserer Vorstellung des Films blind vertraut hat.

Ich habe schätzen gelernt wie wichtig eine gute Planung, durchdachte Organisation und Sonnencreme sind. Und ab Dienstag werde ich lernen wie das Publikum – wie ihr – unseren Film bewertet; auch für diese Möglichkeit bin ich sehr dankbar.

“Findungsreise” basierend auf “britisches Frühstück”

Im Rahmen meines Kurses “Von der Idee zur Sendung” war es nunmehr die Aufgabe aus einem Exposé (dem eigenen oder einem Studienkollegen) ein Treatment zu verfassen. Da ich üben will habe ich mich dazu entschieden eine fremde Geschichte in ein Treatment zu verfassen. Das originale Exposé ist von Liesa Horn und nennt sich “britisches Frühstück”. Liesa war so lieb mir zu gestatten ihr Exposé hier mit reinzustellen.

Das Exposé von Liesa Horn
(Fällt nicht unter Creative Commons, sondern ist ein geschütztes Werk)

Noah verlässt Claire, weil er Abstand von einer Beziehung nehmen  möchte. Daraufhin beschließt Claire spontan mit dem nächsten Zug in eine fremde Stadt zu fahren, um sich abzulenken. Sie wählt Wien. Dort erhofft sie sich Abstand zu finden von ihrem Liebeskummer.

Als sie in Wien ankommt, erinnert sie der Schaffner am Wiener Bahnhof, welcher ihr mit dem Koffer hilft, an ihren Ex-Freund und sie wirkt bedrückt.

Claire kommt in der WG an, in der sie die nächsten Tage als Couchsurferin übernachtet und wird herzlich empfangen. Am Abend steigt direkt eine Party in der WG, weil einer der Bewohner (Peter, Physikstudent) seinen 23. Geburtstag feiert. Claire hat Spaß, trinkt etwas und unterhält sich mit diversen Partygästen. Die Gespräche verlaufen amüsant, weil Claire sich mit gebrochenem Deutsch versucht. Später am Abend, als sie Marie (22, Medizinstudentin) schon näher kennengelernt hat, vertraut sie sich ihr an und erzählt von ihrem Liebeskummer und wird leicht sentimental.

Der nächste Tag beginnt mit einem lustigen Frühstück in der WG. Claire hat typisch britisch gekocht und die Bewohner sind geteilter Meinung über den Geschmack. Es entwickeln sich situativ komische Gespräche (z.B. Peter zu baked beans: „jedes Böhnchen gibt ein Tönchen“, was Claire nicht versteht –> alle lachen).

Claire macht eine Sightseeing-Tour durch Wien und trifft am Stephansplatz auf den Alleinunterhalter Jan (28), der gerade eine Jongliernummer aufführt. Nach seinem Auftritt spricht Jan Claire an und fragt, ob sie ihn an diesem Abend zu einer Party in der Stadt begleiten möchte. Claire sagt etwas verschüchtert zu.

Claire betritt abends den verabredeten Club und Jan fällt ihr sofort ins Auge. Er winkt sie rüber und stellt sie einigen Freunden vor. Jan versucht sich Claire anzunähern, doch sie blockt seine Versuche ab. Sie ist nicht bereit für eine neue Liebschaft. Sie geht auf die Toilette. Als sie vor dem Spiegel steht bekommt sie eine SMS von Noah „I want you back!“. Man sieht Tränen in ihren Augen. Jedoch beschließt Claire den Abend zu genießen, wischt sich die Tränen weg und stürzt sich wieder ins Partyleben. Bunte Lichter, Musik und Spaß.

Im Morgengrauen bringt Jan Claire nach Hause. Sie verabschiedet ihn mit einem Kuss auf die Wange. Im Stiegenhaus bleibt sie stehen und ihr kommen die Tränen. Jans Zuneigung hat sie an ihre Liebe zu Noah erinnert. Vor der Haustür zieht sie langsam den Schlüssel aus der Jackentasche und schließt auf. Im Flur kommt ihr ein Paar Schuhe seltsam vertraut vor. Sie geht weiter in die Wohnung und erschrickt. In der Küche sitzt Noah mit Peter, an ein Glas Wasser geklammert. Als sich Claire und Noah anblicken herrscht kurz Schweigen. Noah setzt zum Erklärungsversuch an, doch Claire fällt ihm schon in die Arme.

Flashback: Man sieht wie Noah Claires beste Freundin Emily (22, Kunststudentin) ausfragt. Diese erzählt ihm wo Claire ist und wo sie in Wien wohnt.

Am Ende haben Claire und Noah noch einige Tage gemeinsam Spaß in Wien (Sightseeing, im Kaffeehaus, Party) und reisen dann gemeinsam nach London zurück.

 

Mein darauf basierendes Treatment (CC-BY-NC-ND)

Figuren

CLAIRE ist eine junge Frau Anfang der Zwanzig. Sie hat gerade ihren Schulabschluss gemacht und sich auf das Unileben mit ihrem Freund NOAH vorbereitet, als dieser mit ihr Schluss gemacht hat. Die junge, blonde, attraktive Claire ist sehr emotional und sprunghaft. Sie lässt ihr Herz agieren bevor ihr Kopf weiß warum.

NOAH ist der Ex-Freund von Claire. Er hat dunkelbraunes kurzes Haar und ein markantes Gesicht. Er ist ca. 1,80m groß und trainiert. Modebewusst und ein Fels in der Brandung. Er ist sehr nachdenklich über das Leben. Allerdings stolpert er in dessen Lauf häufig über seine eigenen Empfindungen – da er sie erst verstehen lernen muss. Er ist im gleichen Jahrgang wie Claire und hat mit ihr gemeinsam seinen Schulabschluss gemacht.

JAN ist ein ehemaliger Austauschschüler. Er war in Noahs und Claires Abschlussklasse und ist danach zurück nach Wien gegangen. JAN ist ein aufgeklärter, reifer junger Mann. Er steht fest im Leben und weiß was er will und warum. Mit seinem attraktiven, blond-blauäugigen Aussehen hat er schon das ein oder andere Herz gewonnen und er ist sich seiner Wirkung bewusst

MARIE ist der Kontakt von Claire in Wien. Bei ihr übernachtet Claire während ihres dortigen Aufenthalts. Marie ist sehr gesprächig, neugierig und fröhlich. Wirkt aber ab und an etwas aufdringlich und anstrengend. Zumindest für andere Frauen, Männer sind von ihrem attraktiven Äußeren abgelenkt.

3 WG MITBEWOHNER von Marie. Durchschnittliche Studenten.

ZUGBEGLEITER vom Aussehen her wie NOAH.

JANS FREUNDE sind eine Gruppe heiterer junger Männer; die gerne trinken und feiern.

MÄDCHEN AUF DEM KLO ist eine betrunkene Bitch.

TYP VOR DEM KLO ist wahrscheinlich der Freund vom Mädchen auf dem Klo. Zumindest heute Nacht.

Noah und Claire sind seit über zwei Jahren ein Paar. Sie verbindet eine tiefe Beziehung, die Art von Beziehung in der man sich alles erzählt und den anderen bis in seine tiefsten Ecken kennt. Und heute feiern die beiden ihren Schulabschluss. Eng umschlungen tanzen die beiden auf dem Parkett der hübsch dekorierten und romantisch ausgeleuchteten Sporthalle. Claire fühlt sich wohl in seinen Armen und legt ihren Kopf an seine Brust. Dann sagt sie die drei Worte, die das Leben jeder Beziehung bedeuten. Noah küsst sie auf ihren Kopf und legt dann seinen sanft auf ihren. Neben den beiden tanzt Jan mit seiner Begleiterin. Er blickt rüber zu den beiden. Und etwas Unbestimmtes liegt in seinem Blick. Etwas Unangenehmes. Als Noah zu ihm rüber schaut entfesselt sich Jans steinerne Miene und er lächelt gezwungen.

Ein paar Wochen später auf dem Wiener Westbahnhof. Es ist ein sonniger Sommertag und der Bahnhof ist belebt. Ringsherum fallen sich Menschen in den Arm oder warten auf ihre Verwandten, Bekannten oder Freunde. Claire sticht aus dieser Menge heraus, als sie aus dem Zug aussteigt. Ihr Gesicht ist verheult, ihre Kleidung hängt an ihr herunter und generell wirkt sie sehr mitgenommen und deprimiert. Sie hat Mühe ihre Tasche aus dem Zug zu heben und bekommt Hilfe von dem Zugbegleiter, der ihr diese Arbeit abnimmt. Er verabschiedet sich mit einem Lächeln und steigt in den abfahrenden Zug. Claire fängt an auf ihr Gepäck einzutreten, nur um darüber zu stolpern und weinend auf dem Boden zu sitzen. Die Aufmerksamkeit der Menschen um sich herum hat sie sicher, genauso wie die des Bahnhofsmitarbeiters, der sie darauf hinweist, dass das Sitzen auf dem Boden nicht gestattet ist.

In einer studentischen WG, mitten im Herzen von Wien, klingelt es an der Tür. Marie springt sofort zu dieser und öffnet sie freudig und lächelnd. Claire, die hinter der Tür zum Vorschein kommt, zwingt sich zur Begrüßung auch ein Lächeln auf‘s Gesicht und lässt das Interview über sich ergehen, das nach den Gründen ihrer Reise fragt – und wie diese verlaufen ist. Verbunden wird das mit einer Tour durch die Wohnung und Informationen zum Leben in der WG. Dabei lernt sie auch die anderen Bewohner kennen. Claire aber wirkt die ganze Zeit abwesend und muss sich anstrengen ein einigermaßen freundliches Gesicht zu bewahren. Wenn sie etwas erzählt bleibt sie kurz angebunden und wirkt angestrengt.

Rückblende nach England. Wir geraten Mitten in einen emotional aufgeladenen Streit zwischen Noah und Claire. In seinem Zimmer gerät dieser Streit zu einer Choreographie aus Sitzen und Stehen, Nähe und Distanz – Claire sagt ihm, wie sehr er sie enttäuscht hat. Das er ihre Beziehung mit Füßen trete und was alle anderen jetzt darüber zu reden haben.

Wieder in der Gegenwart befinden wir uns in der warm eingerichteten Küche der WG. Die Mitbewohner unterhalten sich über alltägliches, während Claire, in der etablierten Distanz, das Frühstück für alle zubereitet. Ein typisch britisches Frühstück wohlgemerkt, das für die Bewohner der WG nicht ganz Appetit anregend wirkt. Sie versuchen sich beim Essen nichts anmerken zu lassen – und sind höflich genug vorzutäuschen, dass es ihnen schmeckt. Aber wenn ihre Zungen mit Worten lügen können – ihre Gesichter können es nicht. Bei Claire flackert zum ersten mal kurz etwas wie ein echtes Lächeln auf die Lippen. Die Unterhaltungen gehen weiter und Marie fragt nach Claires Plänen für den Tag.

Stephansplatz. Claire beobachtet einen jungen Alleinunterhalter, den wir als Jan wieder erkennen. Sie beobachtet ihn aber nur aus der Distanz. Ist unsicher ob sie zu ihm gehen soll. Sein Antlitz lässt sie in Gedanken schweifen. Alles um sie herum scheint langsamer zu laufen und nur Jan als bewegliches Objekt zuzulassen. Schließlich löst sie der Applaus der Menge aus ihrer Trance und zwingt sie zu reagieren. Während sich die Traube um Jan schließt um ihm Geld zuzustecken und ihm auf die Schultern zu klopfen, wendet sie sich zum gehen. Bis Jan sie erblickt und ihr hinterher ruft. Sie dreht sich um, sieht ihm in die Augen und muss lächeln. Er kämpft sich durch die Traube zu ihr durch und nimmt sie in den Arm.

Rückblende nach England. Claire sitzt in einem kleinen Lokal alleine an einem Tisch. Sie scheint auf jemanden zu warten, hat aber schon eine Kleinigkeit zu Essen vor sich zu stehen. Sie schaut ab und an auf ihre Uhr, während im Hintergrund ein paar junge Leute über Noah reden – und schließlich auch über Claire. Sie scheinen nicht zu wissen, dass diese nur einen Tisch weiter, mit dem Rücken zu ihnen, sitzt. Die Meinungen über die Trennung der beiden spitzen sich zu und mit dem Crescendo der Gruppe wirft Claire Wut entbrannt ihren Teller mit dem Essen auf die Gruppe und stürmt aus dem Lokal.

In der Gegenwart löst sich Claire aus Jans Umarmung. Ihr Lächeln ist weg. Jan ist froh Claire zu sehen und fragt sie was sie nach Wien treibt, warum sie ihn nicht angerufen hat und wo sie wohnt. Dann fängt er an von England zu reden, wie viel Spaß er mit ihr und Noah hatte und bemerkt dass dies kein Thema ist das er weiter ausführen will. Um das eben gefrorene EIs wieder zu brechen lenkt er mit der Einladung in sein Stammlokal ab. Seine Freunde und er treffen sich dort heute Abend – und er würde sich freuen wenn Claire mit dabei ist. Dann können sie sich intensiv über alte Zeiten unterhalten. Letzteres betont er mit Nachdruck. Nach einigem Zögern sagt Claire zu.

Am Abend betritt Claire, rausgeputzt, den Pub. Es ist ein irischer Pub, mit alten Holzinterieur. Ein wenig dunkel mit angenehmer Musik im Hintergrund; gemütlich. Sie erblickt Jan, der mit seinen Freunden an einem Tisch sitzt. Als sie zu ihnen hinüber geht bemerkt sie, dass die Jungs schon ordentlich getrunken haben und wirkt neben der angeheiterten Gruppe ein wenig steif. In einem ähnlichen Interview wie in der WG, fühlt sie sich genötigt wieder von sich zu erzählen; lenkt aber immer auf die anderen Anwesenden ab. Sie bemerkt wie der Mann neben Jan sehr zärtlich mit ihm umgeht. Jan versucht immer wieder auf die alten Zeiten zusprechen zu kommen, aber umso mehr sie die Anbandlung zwischen Jan und dem anderen Mann sieht um so mehr macht sie vor Jan dicht. Als Jan wieder auf Noah zu sprechen kommt springt sie auf und entschuldigt sich. Sie stürmt zur Toilette. Die anderen schauen ihr verwundert hinterher. Nur Jan behält Ruhe und schaut ihr besorgt hinterher, während sein Freund dessen Kopf auf seine Schulter legt.

Auf der runtergekommenen Toilette steht Claire vor dem dreckigen Spiegel. Man sieht ihr den Uringeruch im Raum an. Aus einer der Toilettenkabinen hört man wie sich eine Frau übergibt. Claire schaut sich selbst tief in die Augen. Ihr Telefon klingelt. Am anderen Ende ist NOAH. Er sagt ihr, dass es ihm Leid tut. Und er gerne mit ihr reden würde. Er ist sich nun einiger Dinge bewusst geworden. Und sie gehöre unausschließbar zu seiner Zukunft. Aber er brauchte die Zeit zum Nachdenken. Während er ihr das erzählt beobachtet sie, wie das kotzende Mädchen aus der Klokabine kommt, schwankend und lachend an ihr vorbei geht um draußen von ihrem Freund mit einem innigen Kuss aufgenommen zu werden. Claire verzieht das Gesicht, legt auf und schaltet ihr Telefon ab. Sie drängelt sich offensiv an dem Pärchen vor dem Klo vorbei und geht zurück zum Tisch, wo sie im Verlauf des Abends einen Shot nach dem nächsten in sich hinein trinkt.

Ein paar Stunden später verlässt die gesamte Meute um Jan mit Claire das Lokal. Es ist mittlerweile spät in der Nacht und die Straße ist wie leer gefegt. Alle verabschieden sich voneinander. Jan und sein Freund küssen sich zum Abschied und Claire dreht sich angewidert um und stürmt davon. Sein Freund gibt Jan zu verstehen, dass er versteht was Jan vor hat und geht. Jan ruft Claire hinterher, ob sie nicht darüber reden will, was damals passiert ist – ob sie nicht deswegen nach Wien gekommen ist. Besonders nach der Trennung von Noah. Sie dreht sich, immer noch sehr betrunken, zu ihm um und beleidigt ihn. Macht ihn an, dass sie sich ja jetzt keine Gedanken mehr machen muss, wo er vergeben ist. Jan stimmt ihr, zu ihrer Überraschung, zu. Er ist jetzt in einer festen Beziehung, wie sie es mit Noah war. Dann platzt es aus ihr heraus, dass ihn das damals aber auch nicht davon abgehalten hat ihrem Freund einen zu blasen. Beide stehen sich gegenüber – Claire muss wieder weinen und Jan geht auf sie zu um sie in den Arm zu nehmen. Sie wehrt sich dagegen, aber hat nicht mehr genug Energie und lässt sich in seine Arme fallen. Sie erzählt ihm wie alle darüber reden; dass Noah deswegen mit ihr Schluss gemacht hat um sich darüber klar zu werden was er will. Wer er ist. Jan nimmt sie immer fester in die Arme um zu trösten, was er angerichtet hat. Er sagt, dass es ihm Leid tut. Aber er fest davon überzeugt ist, dass es für Noah nur eine Erfahrung war und keine Entscheidung. Noah liebt Claire, da ist er sich sicher – und sie werden wieder zusammen finden. Zwischen beiden entfacht eine Diskussion darüber, dass Noah sie trotzdem betrogen hat – und es egal ist ob mit einer anderen Frau oder einem Mann.

Im Morgengrauen kommen Jan und Claire an seiner Wohnung vorbei. Sie wirken erschöpft, aber auch zufrieden. Sie haben sich die ganze Nacht unterhalten – nicht nur über das, was damals vorgefallen ist. Auch über Liebe und Beziehungen im Allgemeinen. Über Gott und die Welt. Über Jans Coming Out, über seinen Freund. Über die Geschichte von Claire und Noah. Jan fragt Claire ob sie noch auf einen Kaffee mit nach oben kommen will. Sie nickt

Im Stiegenhaus erklärt sie gegenüber Jan, dass sie Noah immer noch liebt. Und dass sie sich nichts mehr wünscht als wieder mit ihm zusammen zu sein; in seinen Armen zu sein. Jan sagt ihr, dass wenn sie ihn liebt, sie genau das tun sollte. Liebe ist mehr als Sex, Liebe steht über dem körperlichen Primitiven. Es geht um eine seelische Verbindung. Und wenn sie diese in Noah spürt, dann soll sie sich von einem solchen Fehltritt nicht verunsichern lassen – denn Noah liebt sie und nur sie. Seelische Treue, Loyalität, jemand auf den man sich verlassen kann – darauf kommt es mehr an wenn man alt, inkontinent und asexuell wird. (Was er natürlich nur halbironisch sagt).

Jan öffnet die Tür zu seiner Wohnung. In seiner amerikanischen Küche steht Noah und macht gerade das Frühstück. Noah, der Claire nicht bemerkt, ruft Jan zu, dass das mit dem Telefonat letzte Nacht nicht funktioniert habe. Und was er als nächstes machen soll – soll er sie aufsuchen? Claire erstarrt. Jan antwortet nicht. Jetzt blickt Noah zu den beiden rüber – auch er scheint festgefroren zu sein. Claire geht auf Noah zu – als sie vor ihm steht wendet sie sich an Jan und fragt diesen ob sie in getrennten Betten geschlafen haben. Jan lächelt und bejaht dies. Claire blickt Noah in die Augen, Noah blickt Claire in die Augen. Claire lächelt – Noah lächelt.

Exposé „Unwissenheit“

In letzter Zeit habe ich, während meiner Internetabstinenz, darüber siniert welchen Zweck doch mein Blog verfolgt. Ob es überhaupt einen Sinn hat ihn zu betreiben. Doch nun, da ich Rahmen meines Kurses “Von der Idee zur Sendung” ein Exposé mit dem Thema “Wien”, “Fremde” und “Lust” erarbeiten sollte, fällt es mir wie Schuppen von den Augen – ich kann dieses Exposé für alle nachvollziehbar hier ausstellen – und ihr könnt es beurteilen.

Ein Kurzfilm im Rahmen des Projekts “Fremde, Wien, Lust”

Filmtitel: “Unwissenheit”
Länge: 25 Minuten

Die fiktive Tragödie “Unwissenheit” begleitet einen Mann mittleren Alters in die Fremde der Stadt Wien, auf eine Geschäftsreise. Aus der Sehnsucht nach seiner Frau wird die Sucht nach Geborgenheit – die zu einem unumkehrbaren Bruch der Ethik und Moral führt. Von dem niemand etwas weiß.

Eine Frau um die 20 liegt in einem Wiener Spital. Sie ist wunderschön, hat langes braunes Haar, ein unschuldiges, engelsglgeiches Gesicht. Sie weint, schluchzt nach THEO. In ihren Armen ein Neugeborenes.

THEO, ein Mann Ende der 30, betritt ein Wiener Hotelzimmer. Er trägt einen Anzug, wie es für einen Businessmenschen üblich ist. Das Hotelzimmer ist leer, kahl – dennoch mutet es kostspielig an.
Sein Telefon klingelt, er zieht es aus seiner Tasche um auf das Display zu schauen. Natürlich ist es ein iPhone oder ein Blackberry, wie es sich für seine Tätigkeit gehört. Am anderen Ende der ätherischen Leitung des Handynetzes ist sein Kollege – und alter Bekannter – ELIAS.
Zwischen ELIAS und THEO findet eine Unterhaltung über die Einsamkeit auf Geschäftsreisen, wie auch diese jetzt nach Wien, statt. ELIAS schlägt THEO vor, dass sie sie Callgirls auf’s Zimmer bestellen. Ein Vorschlag den THEO nicht ernst zu nehmen versucht und die, in seinen Augen unmoralische, Idee ad absurdum führen will, indem er seine Ehe mit MARIA erwähnt.
THEO beendet das Gespräch, mit dem Verweiß auf den Berg an Arbeit der noch vor ihm liegt. – Wieder steht er allein in dem leeren Hotelzimmer.
Er setzt sich auf den Bettrand und zückt ein Foto seiner Frau MARIA aus der Brieftasche. Die Einsamkeit die er dabei empfindet, gepaart mit der Lust die in ihm aufsteigt, durch das Betrachten des Bildes, lassen ihn zum Telefon des Hotelzimmers greifen; ein altes Schnurtelefon mit Wählscheibe. Er hält inne. Lächelt beschwert und legt wieder auf. In einem kurzen Selbstgespräch überzeugt er sich noch einmal von der Stupidität dieser Callgirl-Idee; und rät sich zu einer kalten Dusche.

Während er unter der Dusche steht betritt SOPHIE, die wir aus der ersten Einstellung wiedererkennen mögen, das Zimmer. Bekleidet als Putzfrau.

THEO kommt nackt aus dem Badezimmer in den Raum, in dem SOPHIE bereits auf einem Sessel platz genommen hat; in verführerischer Pose sitzt sie vor ihm. Er ist erstarrt vor der Schönheit dieses jungen Mädchens, die seine Tochter sein könnte.
Zwischen den beiden herrscht eine unglaubliche Spannung, die nur durch SOPHIEs Verweiß auf THEOs Nackheit gebrochen wird. SOPHIE gesteht ihm, dass ELIAS sie bestellt habe – und selbstverständlich auch schon bezahlt.
THEO zieht sich – entgegen SOPHIEs Wunsch – wieder an; muss jedoch magisch an ihrem Antlitz kleben bleiben.
Erneut schiebt er seine Ehe, als Argument gegen das Geschehende, in den Mittelpunkt des Gesprächs. Er beginnt von seiner Frau MARIA zu erzählen; zu schwärmen. Von ihrem wunderschönenen Haar, ihren Lippen, ihren Augen – und bei jeder einzelnen Beschreibung schweift seine Aufmerksamkeit an SOPHIE vom beschriebenen Körperteil zum nächsten.
Seine Beschreibungen werden intimer, sein Verlangen größer – er küsst sie, packt sie, legt sie sanft auf‘s Bett.

Im Spital kommt eine Pflegerin ins Zimmer herein und fragt nach diesem THEO, nachdem unsere Protagonistin die ganze Zeit weint. Er sei nicht in Wien, so ihre emotional unterdrückte Antwort. Sie werde sein Leben nicht durch ein uneheliches Kind durcheinander bringen.

THEO liegt neben SOPHIE im Bett; er hält sie in seinen Armen. Sie erzählt ihm, wie sie mit diesem Job ihr Studium finanziert bekommt. Und das viel besser als ihre Komilitonen, welche bei McDonalds jobben oder Flyer verteilen. Da sei nichts verwerfliches dran.
Dennoch will sie nicht dass ihre Eltern davon erfahren, um zu verhindern dass sie sich die Schuld daran geben könnten. Dass sie glauben könnten ihr nicht genug Liebe als Kind gegeben zu haben; wie das mit Adoptiveltern nun einmal so sei.

Im Spital nimmt die Pflegerin das Neugeborene auf den Arm und schaut unsere Protagonistin mitleidig an; fragt sie ob sie sich sicher sei. Die Antwort ist, dass es niemand in ihrem Zuhause verstehen könnte; dass sie extra ein Jahr ins Ausland gegangen sei um die Schwangerschaft geheim zu halten, vor ihren gutbürgerlichen Eltern, vor ihrem Freund THEO. Adoption sei die einzige, die richtige Entscheidung.
Sie verabschiedet sich von ihrer kleinen Tochter – SOPHIE.
Die Pflegerin geht mit der Kleinen aus dem Zimmer und wünscht MARIA auf der Türschwelle noch Alles Gute.
MARIA bleibt weinend zurück.

SOPHIE und THEO stehen sich im Hotel bekleidet gegenüber. Er dankt ihr für ihre Gesellschaft. Dass sie ihm in dieser Stadt das Gefühl von Geborgenheit gegeben hat.
Ob er es seiner Frau MARIA gestehen will, fragt sie ihn. Manche Dinge, so seine Meinung, solle man besser in der Fremde lassen. Geheimnisse zerstören Familien und Moral sowie Ethik nur für jene, für die sie gelüftet werden.
SOPHIE verlässt das Hotelzimmer in den einsamen und langen Korridor.
THEO bleibt im leeren Zimmer zurück.
MARIA liegt im leeren Spitalzimmer und weint.

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