“Wir müssen uns mal sinnlos besaufen”
Beinahe, aber auch wirklich nur beinahe, hätte ich mich gestern mit dem Drogenstück, in dem ich immer noch die Hauptrolle habe, versöhnen können. Wir haben uns gestern “Fear and Loathing in Las Vegas” angeschaut – bei unserem Regieassistenten daheim. Der Film war gut, die Gastfreundlichkeit war spitze (er ist extra noch mal los gegangen um für meine Co-Darstellerin und den Regisseur eine Flasche Wein und Chips zu kaufen) – ich hatte einen leckeren Vanille-Apfel Tee und Multivitaminsaft und es fing alles an in eine gute Richtung zu laufen. Der Film konnte mir vermitteln was der Regisseur bisher nicht geschafft hat, nämlich wie ich mich zu verhalten und zu bewegen habe, wie mein Blick zu sein hat, in welchen Situationen. Ausdruck, Betonung; alles klar.
Ich war wieder an der Grenze zum Optimismus, bis – ja bis der Regisseur folgende Worte sprach: “Du musst dich verhalten als wärst du besoffen!” (???) “Ich will das du morgen richtig betrunken zur Probe kommst” (what the f?) “Das ist Method Acting!!!” – Scho recht! Klar. Dann bin ich mal gespannt was von mir erwartet würde, sollte ich jemals einen Suizidgefährdeten spielen – muss ich mich dann auch mal “so richtig ritzen”? Damit ich weiß wie das ist?
Der Regieassistent konnte das Ruder – wie so oft – noch einmal rumreißen. Er widersprach (und erntete dafür kritischen Blick bei seinem “Chef”), als dann auch meine Co-Darstellerin widersprach lies sich der Meister auf folgendes zurückschrauben: “Dann musst du morgen eben die ganze Zeit so tun als wärest du besoffen – ich möchte nicht merken wenn du nüchtern bist!” – Erfolg? Fast. Denn was folgte war: “Wir müssen uns bei irgendeiner Probe mal alle sinnlos besaufen!”
Sind ja nur noch 28 Tage zur Premiere…