Tag-Archiv | Kritik

Eine glückliche Filmcrew

Ich bereite gerade als Autor und Regisseur (in Zusammenspiel mit Tina Hörgl) den Dreh eines Kurzfilms im Rahmen der Uni vor. Und die Geschichte dieser Filmidee stieß bei der Präsentation vor meinem Dozenten auf ein wenig Unbehagen; vermeintlich schlimmer jedoch: Bei unserem Vorlesungsgast, einem bekannten österreichischen Regisseur, Clown und Autor, auf tiefste Ablehnung.

Erstaunlicherweise hat mich die Kritik des Clowns – von dem ich abgesehen von dieser Situation viel halte – nicht getroffen. Möglicherweise auch deswegen nicht, weil es sich in meinen Augen um keine substantielle solche handelt. Alles was er ausdrückte war, dass ihm die Idee zuwider ist, weil er nichts von unserer (meiner Mit-Autorin und -Regisseurin und meiner sowieso nicht) Persönlichkeit darin findet. Unsere Leidenschaft.

Gesellschaftskritisch sei es und Gesellschaftskritik sei für ihn Müll und keine Leidenschaft. Das ist eine persönliche Einstellung, aber keine sachliche Kritik. Zumal der argumentativ verfehlte Angriff auf meine Integrität – ich lasse mich wahrscheinlich in dieser Idee von meiner Mit-Autorin unterbuttern und bezirzen, da ich sie wie eine Semigöttin anhimmle – seine Fähigkeit der Beurteilung meiner Person ad absurdum führte.

Die Bedenken meines Dozenten jedoch waren begründeter. Einige konnten wir an Ort und Stelle aus dem Weg räumen, andere jedoch blieben insbesondere bei unserer Produktionsleiterin Caro hängen. Zu wenig Konflikt gab es in unserem bisherigen Drehbuch. Zu Aufwendig sei die Produktion. So kam es, dass wir heute eine Produktionssitzung einberufen haben, auf der wir gemeinsam eine Lösung eruiert haben – mit Erfolg.

Das Ende der heutigen Produktionssitzung war wie ein Stein der mir vom Herzen fiel, da nun das Team wieder zu 100 Prozent hinter dem Projekt stehen kann und sich in Anbetracht der vor uns stehenden Wochen nicht in Unbehagen ob des Aufwands wieder findet.

“Hast du das Hemd dabei?”

Ich kann nicht sagen das es überraschend war. Heute hat mich der Regisseur aus der Produktion gestrichen – weil ich sein Produzent war und von den Rechten, die einem Produzenten zustehen, gebrauch gemacht habe.

Nach der Auseinandersetzung die ich mit ihm im Café führte, habe ich ihm dann noch eine Email geschrieben in der ich klar stellte – zwischen ihm und mir, nicht wie er: Vor versammelter Mannschaft – dass er sich nie wieder in einem solch anmaßendem Verhalten mir gegenüber geben soll, wie er es in eben in diesem Café tat.

Mit Verweis darauf, dass er sich das bisschen Geld, welches ich in die Produktion fließen lies, auch allein zusammenkratzen könne, wälzte er die von mir eingeforderte straffere Planung und intensivere Vorbereitung seiner Proben, in Form von erneuten Schuldzuweisungen meiner Person gegenüber, professionell von sich ab.

Und ohne Vorwarnung oder Andeutung empfing er mich heute, zu unserem Einzelprobentermin, mit den Worten “Hast du das Hemd dabei?” (Sein Hemd das mein ehemaliger Charakter im Stück tragen soll) – Ich gab es ihm und hörte seine Worte als Echo meiner Gedanken: “Du bist raus.”

Tja, dass passiert wenn man sich als Geldgeber anmaßt Forderungen an den Empfänger zu stellen. Vielleicht hängt es damit zusammen das er von Hartz IV lebt? (Dieser Satz wurde der Polemik halber verwendet, ich denke nicht wirklich, dass die Masse der Hartz IV Empfänger seine Mentalität teilen)

Nun schließe ich mit diesen Worten auch das Projekt ab. – Na gut, noch nicht ganz. Ich warte natürlich noch darauf das ich “das bisschen Geld” wieder bekomme.

Immerhin habe ich ihm sein letztes Hemd wieder gegeben.

Wir haben einen Schuldigen – mich!

Voller Vorfreude kam ich heute 17:00 (na gut: 17:20 – mit ein wenig Verspätung dank der ÖPNV Anbindung Veltens) zur Probe unseres Stücks. Aber wie habe ich mich in meiner Leichtigkeit getäuscht. Woher nur nahm ich mir diese Dreistigkeit  ohne Sorgen auf unseren lieben Regisseur zu treffen? FEHLER

Unverzeihlicher Fehler Nummer eins: Der Proberaum war blockiert. Ich weiß nicht warum, aber er war blockiert. Ich habe unter dem Googlemailkalender nachgeschaut – die Blockade war berechtigt, unser Termin stand nicht drin. Es war meine Aufgabe ihn dort einzutragen, alle anderen Termine stehen drin, warum dieser nicht: Keine Ahnung. – Aber diese Kritik lässt man sich auch noch gefallen. Gut, kann sein das ich nicht richtig gespeichert habe, dass mir dieser Termin entgangen ist, akzeptiere ich.

Aber dann kam es: Der Regisseur in all seiner bestehenden und selbstgegebenen Macht hielt mir, der ich gleichzeitig der Produzent seines Stückes bin, einen Vortrag darüber, dass er nicht das Gefühl habe, dass ich hinter seinem Stück stehe. Man mag aus meinen vorherigen Einträgen auch das Gefühl bekommen – aber das hat er wohl falsch verstanden. Ich stehe hinter dem Stück, sonst würde ich es nicht weiter produzieren. Aber ich stehe nicht hinter dem Regisseur. Nicht hinter einem Regisseur der die erste halbe Stunde einer Probe damit verbringt Musik laufen zu lassen und die Probe erst einmal vorzubereiten. Das ist ein Job den er daheim zu erledigen hat. Nicht hinter einem Regisseur der mit weißem Pulver an der Nase zur Probe kommt und verplant ist. Nicht hinter einem Regisseur der seinen Hauptdarsteller vor dem restlichen Team vorhält alleinig Schuld daran zu sein, dass die Produktion nicht voran geht. Aber ich stehe hinter dem Team – hinter dem Team von fähigen Schauspielern, einem fähigen Regieassistenten und einem Stück das nicht perfekt, aber authentisch ist.

Er fasse sich an die eigene Nase – wenn er sie noch findet.

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