“Hast du das Hemd dabei?”
Ich kann nicht sagen das es überraschend war. Heute hat mich der Regisseur aus der Produktion gestrichen – weil ich sein Produzent war und von den Rechten, die einem Produzenten zustehen, gebrauch gemacht habe.
Nach der Auseinandersetzung die ich mit ihm im Café führte, habe ich ihm dann noch eine Email geschrieben in der ich klar stellte – zwischen ihm und mir, nicht wie er: Vor versammelter Mannschaft – dass er sich nie wieder in einem solch anmaßendem Verhalten mir gegenüber geben soll, wie er es in eben in diesem Café tat.
Mit Verweis darauf, dass er sich das bisschen Geld, welches ich in die Produktion fließen lies, auch allein zusammenkratzen könne, wälzte er die von mir eingeforderte straffere Planung und intensivere Vorbereitung seiner Proben, in Form von erneuten Schuldzuweisungen meiner Person gegenüber, professionell von sich ab.
Und ohne Vorwarnung oder Andeutung empfing er mich heute, zu unserem Einzelprobentermin, mit den Worten “Hast du das Hemd dabei?” (Sein Hemd das mein ehemaliger Charakter im Stück tragen soll) – Ich gab es ihm und hörte seine Worte als Echo meiner Gedanken: “Du bist raus.”
Tja, dass passiert wenn man sich als Geldgeber anmaßt Forderungen an den Empfänger zu stellen. Vielleicht hängt es damit zusammen das er von Hartz IV lebt? (Dieser Satz wurde der Polemik halber verwendet, ich denke nicht wirklich, dass die Masse der Hartz IV Empfänger seine Mentalität teilen)
Nun schließe ich mit diesen Worten auch das Projekt ab. – Na gut, noch nicht ganz. Ich warte natürlich noch darauf das ich “das bisschen Geld” wieder bekomme.
Immerhin habe ich ihm sein letztes Hemd wieder gegeben.
Wir haben einen Schuldigen – mich!
Voller Vorfreude kam ich heute 17:00 (na gut: 17:20 – mit ein wenig Verspätung dank der ÖPNV Anbindung Veltens) zur Probe unseres Stücks. Aber wie habe ich mich in meiner Leichtigkeit getäuscht. Woher nur nahm ich mir diese Dreistigkeit ohne Sorgen auf unseren lieben Regisseur zu treffen? FEHLER
Unverzeihlicher Fehler Nummer eins: Der Proberaum war blockiert. Ich weiß nicht warum, aber er war blockiert. Ich habe unter dem Googlemailkalender nachgeschaut – die Blockade war berechtigt, unser Termin stand nicht drin. Es war meine Aufgabe ihn dort einzutragen, alle anderen Termine stehen drin, warum dieser nicht: Keine Ahnung. – Aber diese Kritik lässt man sich auch noch gefallen. Gut, kann sein das ich nicht richtig gespeichert habe, dass mir dieser Termin entgangen ist, akzeptiere ich.
Aber dann kam es: Der Regisseur in all seiner bestehenden und selbstgegebenen Macht hielt mir, der ich gleichzeitig der Produzent seines Stückes bin, einen Vortrag darüber, dass er nicht das Gefühl habe, dass ich hinter seinem Stück stehe. Man mag aus meinen vorherigen Einträgen auch das Gefühl bekommen – aber das hat er wohl falsch verstanden. Ich stehe hinter dem Stück, sonst würde ich es nicht weiter produzieren. Aber ich stehe nicht hinter dem Regisseur. Nicht hinter einem Regisseur der die erste halbe Stunde einer Probe damit verbringt Musik laufen zu lassen und die Probe erst einmal vorzubereiten. Das ist ein Job den er daheim zu erledigen hat. Nicht hinter einem Regisseur der mit weißem Pulver an der Nase zur Probe kommt und verplant ist. Nicht hinter einem Regisseur der seinen Hauptdarsteller vor dem restlichen Team vorhält alleinig Schuld daran zu sein, dass die Produktion nicht voran geht. Aber ich stehe hinter dem Team – hinter dem Team von fähigen Schauspielern, einem fähigen Regieassistenten und einem Stück das nicht perfekt, aber authentisch ist.
Er fasse sich an die eigene Nase – wenn er sie noch findet.
“Wir müssen uns mal sinnlos besaufen”
Beinahe, aber auch wirklich nur beinahe, hätte ich mich gestern mit dem Drogenstück, in dem ich immer noch die Hauptrolle habe, versöhnen können. Wir haben uns gestern “Fear and Loathing in Las Vegas” angeschaut – bei unserem Regieassistenten daheim. Der Film war gut, die Gastfreundlichkeit war spitze (er ist extra noch mal los gegangen um für meine Co-Darstellerin und den Regisseur eine Flasche Wein und Chips zu kaufen) – ich hatte einen leckeren Vanille-Apfel Tee und Multivitaminsaft und es fing alles an in eine gute Richtung zu laufen. Der Film konnte mir vermitteln was der Regisseur bisher nicht geschafft hat, nämlich wie ich mich zu verhalten und zu bewegen habe, wie mein Blick zu sein hat, in welchen Situationen. Ausdruck, Betonung; alles klar.
Ich war wieder an der Grenze zum Optimismus, bis – ja bis der Regisseur folgende Worte sprach: “Du musst dich verhalten als wärst du besoffen!” (???) “Ich will das du morgen richtig betrunken zur Probe kommst” (what the f?) “Das ist Method Acting!!!” – Scho recht! Klar. Dann bin ich mal gespannt was von mir erwartet würde, sollte ich jemals einen Suizidgefährdeten spielen – muss ich mich dann auch mal “so richtig ritzen”? Damit ich weiß wie das ist?
Der Regieassistent konnte das Ruder – wie so oft – noch einmal rumreißen. Er widersprach (und erntete dafür kritischen Blick bei seinem “Chef”), als dann auch meine Co-Darstellerin widersprach lies sich der Meister auf folgendes zurückschrauben: “Dann musst du morgen eben die ganze Zeit so tun als wärest du besoffen – ich möchte nicht merken wenn du nüchtern bist!” – Erfolg? Fast. Denn was folgte war: “Wir müssen uns bei irgendeiner Probe mal alle sinnlos besaufen!”
Sind ja nur noch 28 Tage zur Premiere…
Was bisher geschah
Komparse beim Kurzfilm
2 Tage, 12h/Tag, davon 10 Stunden rumsitzen und warten (und vom Catering gebrauch machen – das, leider, ein wenig von meinem Geschmack abwich); aber es hat sich gelohnt. Denn nach all dieser Zeit des rumsitzens und des 5 Uhr aufstehens um den Zug doch beinahe zu verpassen: Meine 20-30 Sekunden im Hintergrund eines 35/16 mm Diplomfilms der dffb waren im Kasten. Ich werde wahrscheinlich durch die Tiefenunschärfe nichtmal zu erkennen sein, ich habe sicher viele Ausdrucksfehler in der Continuity und dieser Film wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mein Durchbruch werden ABER ich hatte Spaß, wieder was gelernt und vor allem: Kontakte geknüpft.
Hauptrolle in einem Theaterstück über Drogen…
Klingt auch erstmal gut. Hauptrolle. Habe mich auch wahnsinnig gefreut. Aber dann kam mir das wirkliche Leben dazwischen: Menschen. Ein Mensch – der Regisseur. Oder besser formuliert: Der selbsternannte Regisseur und Autor. Von diesen Tätigkeiten hat er soviel Ahnung wie ein katholischer Priester von Eheberatung.
Nicht nur dass er sich andauernd in seinen Regieanweisungen widerspricht, dass man das Skript in Ausdruck und Orthographie so nicht mal einem Drittklässler verziehen hätte oder dass er, einen Monat vor der Premiere, nur mehr als ein vages: “Mal schauen wohin sich das Stück entwickelt” rausbekommt – nein! Die letzte Probe eröffnete er, bekleidet mit weißem “Pulver” an Nase, Oberlippe und Kinn. Und noch schizophrener als sonst.
Ich habe große Erwartungen an dieses Stück und hoffe das alles glatt läuft.
Aber: Ich fange gerade erst an; da kann man sich die Regisseure nicht aussuchen. Und außerdem habe ich am Sonntag Abend noch ein Meeting mit einer anderen Regisseurin. Ich habe große Erwartungen und hoffe das alles glatt läuft.